Markt-Transparenz

Wer verdient an pflegenden Angehörigen? Margen-Analyse 2026

Die Krankenkasse zahlt für eine Stunde Grundpflege durch Angehörige rund CHF 52.60. Ausgezahlt werden im Schnitt CHF 35. Wo der Rest hingeht und warum das nicht automatisch ein Skandal ist.

Verifiziert am 14. Mai 2026·9 Min. Lesezeit
Schweizer Franken-Banknoten neben einem Taschenrechner und einer Quittung auf einer Holzfläche, Symbolbild für Margen-Analyse

Eine Stunde Grundpflege durch eine angestellte Angehörige wird der Krankenkasse mit rund CHF 52.60 in Rechnung gestellt (KLV Art. 7a, Position Grundpflege). Der Kanton steuert eine sogenannte Restfinanzierung dazu, je nach Kanton ein bis zwei weitere Franken pro Stunde. Insgesamt fliessen pro Pflegestunde also rund CHF 54 bis CHF 56 von der öffentlichen Hand zum Anbieter. Bei dir, der pflegenden Angehörigen, kommen davon je nach Anbieter CHF 30 bis CHF 38 als Bruttolohn an.

Die Differenz wird von Kritikern (etwa SRF Kassensturz, 2023) als Marge der Anbieter bezeichnet. Politisch ist sie umstritten. Sachlich ist sie aber nicht automatisch ein Skandal. Was genau dahintersteckt, und wie du als Angehörige damit umgehst.

Die Rechnung pro Stunde

Krankenkassen-Tarif Grundpflege durch Angehörige (KLV Art. 7a)52.60CHF
Kantonale Restfinanzierung (Beispiel BS)ca. 1.50–2.00CHF
Bruttolohn an Angehörige bei Pflegewegweiser35.00CHF
Marge brutto des Anbieters (Pflegewegweiser)ca. 17–19CHF/h

Wo die Marge tatsächlich hingeht

Sozialversicherungen (Arbeitgeberbeitrag)

Auf jeden Bruttolohn fallen Arbeitgeberbeiträge zwischen 13 und 18 Prozent an, je nach Alter, Lohnhöhe und BVG-Stufe. Bei einem Bruttolohn von CHF 35 sind das rund CHF 5 bis CHF 6 pro Stunde, die an Ausgleichskassen und Pensionskassen abfliessen.

Pflegehelferkurs

Anbieter, die den Pflegehelferkurs übernehmen (etwa Pflegewegweiser, Caritas), tragen pro angestellter Angehöriger einmalig CHF 1 200 bis CHF 2 600. Auf das erste Anstellungsjahr umgelegt sind das näherungsweise CHF 1 bis 2 pro abgerechneter Stunde.

Care-Management und Verwaltung

Einige Anbieter (Pflegewegweiser, Arana Care, K Care) stellen eine feste Bezugsperson zur Verfügung, die regelmässig Pflegeplan, Stundenrapport und Krankenkassen-Abrechnung kontrolliert. Andere (etwa Asfam in seinem Franchise-Modell) operieren schlanker. In den Margen-Kalkulationen schlagen Care-Management und Verwaltung typischerweise mit CHF 4 bis CHF 8 pro Stunde zu Buche.

Gewinn

Was übrig bleibt, ist Gewinn. Bei kommerziellen Anbietern wandert er an die Eigentümer (im Fall Pflegewegweiser teilweise an das deutsche Mutterhaus Entyre und an die strategisch beteiligte CSS Versicherung). Bei gemeinnützigen Anbietern wie Solicare oder Caritas wird er explizit nicht ausgeschüttet, sondern reinvestiert.

Was Kassensturz, NZZ und workzeitung kritisiert haben

Die mediale Debatte konzentriert sich auf zwei Punkte. Erstens auf das Verhältnis zwischen ausgezahltem Lohn und Krankenkassen-Tarif, konkret bei Anbietern mit ausländischen Mutterhäusern oder Krankenkassen-Beteiligung. Zweitens auf die Frage, ob der regulatorische Rahmen mit dem Wachstum dieses noch jungen Marktes Schritt hält.

Was in der Berichterstattung manchmal verloren geht: ohne diese Anbieter könnten viele pflegende Angehörige ihre Arbeit überhaupt nicht in einer kassenwirksamen Form leisten. Die Frage ist nicht, ob diese Strukturen existieren sollen. Die Frage ist, wie hoch die Margen sind, wie sie sich rechtfertigen, und wie viel davon bei dir ankommt.

Was du als Angehörige tun kannst

  1. Vergleiche die Bruttolöhne, nicht nur die publizierten Brutto-inkl. Werte. Pflegewegweiser publiziert CHF 37.90 inklusive Sozialvers., das entspricht etwa CHF 35 Bruttolohn. Vergleichbar.
  2. Frage den Anbieter explizit, was im Care-Management enthalten ist. Wenn die Antwort vage ist, kannst du davon ausgehen, dass dort die Marge eher höher liegt.
  3. Erwäge Nonprofit-Anbieter (Solicare, Caritas), wenn dir die Marge-Diskussion wichtig ist. Sie sind nicht zwingend besser organisiert, aber ihre Gewinne werden nicht ausgeschüttet.
  4. Nutze unseren Anbieter-Vergleich, um Stundenlohn, Care-Management und Trägerschaft zusammen zu sehen, statt sie einzeln aus den Anbieter-Webseiten herausziehen zu müssen.

Der Markt für Angehörigenpflege ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung und auch kein Skandal. Er ist ein junger, wachsender, regulatorisch und wirtschaftlich noch nicht vollständig ausgereifter Sektor. Wer ihn versteht, trifft bessere Entscheidungen.

Häufige Fragen

Was Familien hier oft wissen wollen.

Worauf basieren diese Marktdaten?
Auf publizierten Anbieter-Tarifen, KVG-Verordnungen und unabhaengiger Schweizer Berichterstattung. Quellen mit Abruf-Datum am Ende des Artikels. Die Krankenkasse zahlt für eine Stunde Grundpflege durch Angehörige rund CHF 52.60. Ausgezahlt werden im Schnitt CHF 35. Wo der Rest hingeht und warum das nicht automatisch ein Skandal ist.
Wie hoch ist die Marge der Anbieter?
Die Marge zwischen KVG-Tarif (CHF 52.60/h fuer Grundpflege durch Angehoerige) und ausgezahltem Bruttolohn liegt typisch zwischen CHF 14 und CHF 22 pro Stunde. Davon werden Sozialversicherungsbeitraege (rund 15.5%), Care-Management und Verwaltung gedeckt - der verbleibende Anbieter-Gewinn variiert deutlich.
Quellen
  1. 01Bundesgesetz über die Krankenversicherung KVG, Art. 25a. www.fedlex.admin.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.
  2. 02SRF Kassensturz 2023. www.srf.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.
  3. 03Krankenpflege-Leistungsverordnung KLV, Art. 7a Pflegeleistungen. www.fedlex.admin.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.
  4. 04workzeitung.ch, Recherche zu privaten Spitex-Anbietern. workzeitung.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.

Dieser Artikel ist redaktioneller Inhalt und keine Rechts oder Steuerberatung. Bei verbindlichen Fragen wende dich an deine Anstellungsfirma, deine Pro-Senectute-Beratungsstelle oder einen Fachanwalt.

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