Spitex bestellst du nicht wie eine Dienstleistung im Internet · sie wird über deine Hausärztin verordnet und durch die zuständige kantonale oder regionale Spitex-Organisation umgesetzt. Der Prozess ist klarer als oft befürchtet · in vier Schritten.
Schritt 1 · Hausärztin kontaktieren
Erste Anlaufstelle ist immer die Hausärztin oder die behandelnde Fachärztin. Sie stellt eine ärztliche Pflegeverordnung aus, in der die Art und der Umfang der notwendigen Pflege festgelegt wird. Ohne diese Verordnung kann die Krankenkasse keine Pflegestunden vergüten.
Schritt 2 · Spitex-Erstabklärung anfordern
Mit der Verordnung kontaktiert ihr die kantonale oder regionale Spitex-Organisation. Die Spitex schickt eine Pflegefachperson für eine Erstabklärung zu Hause vorbei · meist innerhalb von 2 bis 5 Werktagen.
Bei diesem Termin werden BESA- oder RAI-Einstufung gemacht (siehe Pflegestufen), die konkreten Pflegestunden festgelegt und ein Pflegeplan erstellt.
Schritt 3 · Wahl zwischen Spitex und Angehörigenpflege
In dieser Phase entscheidest du auch, in welcher Form die Pflege erbracht wird:
- Klassische Spitex: ausgebildete Pflegefachpersonen kommen vorbei. Du als Angehörige unterstützt punktuell.
- Angehörigenpflege: du wirst über einen Anbieter (z.B. Pflegewegweiser, Caritas) angestellt und erbringst Pflege gegen Stundenlohn.
- Mischmodell: klassische Spitex für Behandlungspflege, du als Angehörige für Grundpflege und Begleitung.
Schritt 4 · Krankenkassen-Abrechnung
Die Spitex oder dein gewählter Anbieter rechnet die geleisteten Pflegestunden direkt mit der Krankenkasse ab. Du erhältst keine Rechnung für die KVG-vergüteten Anteile. Was zusätzlich anfällt (Hauswirtschaft, Begleitung, persönliche Betreuung), wird separat geregelt.
Wartezeiten · Realität in 2026
Die Schweizer Spitex hat in vielen Kantonen Engpässe:
Wenn deine Eltern aus dem Spital entlassen werden, organisiert das Spital in der Regel den ersten Spitex-Kontakt direkt. So entfällt der Anruf bei der Hausärztin · die Verordnung kommt vom entlassenden Spitalarzt.
Wer was bezahlt
Bei einer Stunde Grundpflege durch die Spitex (Cat. C) verteilt sich die Bezahlung wie folgt:
- Krankenkasse: CHF 52.60 pro Stunde (KVG-Tarif).
- Kanton: kantonale Restfinanzierung (CHF 18.50 bis 26.00, je Kanton).
- Patient: 10% Selbstbehalt der Krankenkassen- Vergütung, plus Franchise nach Krankenkassen-Modell. Praktisch rund CHF 100 bis 300 pro Monat aus eigener Tasche.
Was die Spitex nicht macht
Spitex ist Pflege, nicht alles. Folgende Leistungen werden separat organisiert:
- Mahlzeitendienst (oft Pro Senectute oder lokale Anbieter)
- Reinigungs- und Hauswirtschaftsdienste
- Fahrdienst zu Arzt, Spital, Therapie
- Soziale Aktivitäten und Begleitung
- Notfall-Knopf-Systeme (Curena, Helpline)
Erste Telefonnummern
- Spitex Schweiz Verzeichnis: spitex.ch (kantonale Suche)
- Pro Senectute Beratung: 058 591 15 15
- Hausärztin oder Spital-Sozialdienst: für ärztliche Verordnung
Was Familien hier oft wissen wollen.
- Wo finde ich kostenlose erste Beratung?
- Pro Senectute betreibt in jedem Kanton eine kostenlose Beratungsstelle fuer aeltere Menschen und ihre Angehoerigen. Daneben Caritas, Spitex Schweiz, Schweizerisches Rotes Kreuz und kantonale Sozialberatungs-Stellen.
- Wie schnell muss ich entscheiden?
- Akute Pflegesituationen brauchen sofortige Massnahmen (Spital-Sozialdienst, Notfall-Spitex, Hilfsmittelvermittlung). Strukturelle Entscheidungen wie Anstellungsverhaeltnis, Anbieter-Wahl oder Hilflosenentschädigung-Antrag haben meist 4 bis 12 Wochen Bearbeitungszeit. Plane den Antrag fuer die Hilflosenentschädigung fruehestmöglich (3 bis 6 Monate Bearbeitungszeit).
- 01Spitex Schweiz, Verzeichnis kantonaler Organisationen. www.spitex.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.
- 02Bundesgesetz über die Krankenversicherung KVG, Art. 25a. www.fedlex.admin.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.
- 03Pro Senectute, Spitex-Beratung. www.prosenectute.ch, abgerufen am 14. Mai 2026.
Dieser Artikel ist redaktioneller Inhalt und keine Rechts oder Steuerberatung. Bei verbindlichen Fragen wende dich an deine Anstellungsfirma, deine Pro-Senectute-Beratungsstelle oder einen Fachanwalt.
