Erwerbstätige in der Schweiz haben seit 2021 gesetzliche Rechte zur Betreuung kranker Angehöriger. Für kurze Abwesenheiten besteht Anspruch auf bezahlten Urlaub (Art. 329h OR): bis zu drei Tage pro Fall, höchstens zehn Tage pro Jahr · die Jahresgrenze gilt nicht für die Betreuung eigener Kinder. Eltern eines gesundheitlich schwer beeinträchtigten Kindes haben zusätzlich Anspruch auf einen Betreuungsurlaub von bis zu 14 Wochen (innert 18 Monaten, auch tageweise), der über die Erwerbsersatzordnung mit 80 Prozent des Einkommens entschädigt wird. Bei dauerhafter Pflege ist die Anstellung über eine Angehörigenspitex (CHF 30–45/h, KVG-abgerechnet) meist die nachhaltigere Lösung · beide Wege lassen sich kombinieren.
Lange war die Pflege berufstätiger Angehöriger ein blinder Fleck im Schweizer Arbeitsrecht. Das «Bundesgesetz über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung» hat das ab 2021 geändert. Hier ein Überblick, was dir konkret zusteht · und wo der gesetzliche Urlaub an seine Grenzen kommt.
Bezahlte Kurzabwesenheiten (Art. 329h OR)
Wird ein Familienmitglied oder deine Partnerin krank oder verunfallt, hast du Anspruch auf bezahlten Urlaub für die Zeit, die zur Betreuung nötig ist:
- bis zu drei Tage pro Fall
- höchstens zehn Tage pro Jahr insgesamt
- die Jahresobergrenze von zehn Tagen gilt nicht für die Betreuung der eigenen Kinder
Als Familienmitglieder gelten Verwandte in auf- und absteigender Linie, Geschwister, Ehegatten, Schwiegereltern sowie Lebenspartner nach mindestens fünf Jahren gemeinsamen Haushalts. Der Lohn läuft während dieser Tage weiter.
Betreuungsurlaub für ein schwer krankes Kind
Ist dein Kind gesundheitlich schwer beeinträchtigt · durch Krankheit oder Unfall ·, hast du als Elternteil Anspruch auf einen Betreuungsurlaub von bis zu 14 Wochen. Wichtige Eckwerte:
Der Urlaub kann am Stück oder tageweise bezogen werden, Eltern können ihn untereinander aufteilen. Entschädigt wird er über die Erwerbsersatzordnung (EO) mit 80 Prozent des Einkommens bis zu einem Höchstbetrag · ähnlich wie der Mutterschaftsurlaub. Während des Urlaubs ist der Arbeitsplatz geschützt.
Wenn der Urlaub nicht reicht: die dauerhafte Lösung
Der gesetzliche Urlaub ist für kurze oder befristete Situationen gedacht. Wer dauerhaft pflegt · etwa einen Elternteil mit fortschreitender Erkrankung oder ein Kind mit bleibender Behinderung ·, stösst damit schnell an Grenzen. Hier ist die Anstellung über eine Angehörigenspitex meist der nachhaltigere Weg: Du wirst für die effektiv geleistete Pflege entlöhnt (CHF 30 bis 45 pro Stunde, über das KVG abgerechnet) statt nur für wenige Urlaubstage.
Mehr dazu im Lohn-Überblick und im Einstieg «Eltern pflegen: wo anfangen». Die beiden Wege schliessen sich nicht aus · viele Familien nutzen zuerst den Urlaub für die akute Phase und wechseln dann in eine Anstellung.
Vergiss die Erschöpfung nicht
Rechte auf dem Papier nützen wenig, wenn die Belastung dich aufzehrt. Plane Entlastung von Anfang an ein · zu Anzeichen und Angeboten: Burnout bei pflegenden Angehörigen und Vertretung für Ferien und Krankheit.
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Häufige Fragen
- Wie viele Tage bezahlten Urlaub habe ich für die Pflege eines Angehörigen?
- Nach Art. 329h OR hast du Anspruch auf bezahlten Urlaub für die Zeit, die zur Betreuung eines gesundheitlich beeinträchtigten Familienmitglieds oder deines Partners nötig ist · bis zu drei Tage pro Fall und maximal zehn Tage pro Jahr. Für die Betreuung eigener Kinder gilt die Jahresobergrenze von zehn Tagen nicht.
- Was ist der Betreuungsurlaub für ein schwer krankes Kind?
- Eltern eines gesundheitlich schwer beeinträchtigten Kindes haben Anspruch auf einen Betreuungsurlaub von bis zu 14 Wochen, der innert 18 Monaten bezogen werden kann · auch tageweise. Während dieser Zeit zahlt die Erwerbsersatzordnung (EO) eine Entschädigung von 80 Prozent des Einkommens bis zu einem Höchstbetrag.
- Lohnt sich stattdessen die Anstellung über eine Angehörigenspitex?
- Bei länger dauernder Pflege oft ja. Der gesetzliche Urlaub deckt kurze oder befristete Situationen ab. Wer dauerhaft pflegt, fährt mit einer Anstellung über eine Angehörigenspitex (CHF 30 bis 45 pro Stunde, über das KVG abgerechnet) meist besser · die beiden Wege lassen sich je nach Phase kombinieren.
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Anbieter-Quiz startenJede Tarif- und Lohn-Aussage in diesem Artikel wurde am Datum unten gegen die genannte Originalquelle verifiziert. Wir prüfen quartalsweise nach.
- 01Bundesgesetz über die Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung. www.fedlex.admin.ch, abgerufen am 30. Mai 2026.
- 02Schweizer Obligationenrecht OR, Art. 329h und 329i. www.fedlex.admin.ch, abgerufen am 30. Mai 2026.
- 03SECO, Urlaub zur Betreuung von Angehörigen. www.seco.admin.ch, abgerufen am 30. Mai 2026.
- 04AHV/IV, Betreuungsurlaub und EO-Entschädigung. www.ahv-iv.ch, abgerufen am 30. Mai 2026.
Dieser Artikel ist redaktioneller Inhalt und keine Rechts oder Steuerberatung. Bei verbindlichen Fragen wende dich an deine Anstellungsfirma, deine Pro-Senectute-Beratungsstelle oder einen Fachanwalt.
