BESA und RAI sind die zwei Pflegestufen-Systeme der Schweiz · sie gelten gleichermassen im Pflegeheim und in der Spitex zuhause. Im Heim bestimmen sie die Tagespauschale zwischen CHF 9.00 und CHF 115.20 pro Tag. In der ambulanten Pflege legen sie fest, wieviele Minuten pro Tag die Krankenkasse vergütet · und damit, wie hoch der Stundenlohn deiner Anstellungsfirma als pflegende Angehörige werden kann.
Warum es zwei Systeme gibt
Bis 2010 hatte jeder Kanton sein eigenes Einstufungs-System. Seit der KVG-Reform 2011 sind zwei nationale Systeme dominant:
- BESA · Bewohner-Einstufungs- und Abrechnungs-System von Curaviva, vor allem in der Deutschschweiz verbreitet, sowohl im Heim als auch in der Spitex
- RAI-NH · Resident Assessment Instrument, vor allem in der West- und Südschweiz, im Heim und ambulant zunehmend auch in der Deutschschweiz
Wie die Einstufung funktioniert
Eine ausgebildete Pflegefachperson (Heim oder Spitex) erhebt anhand strukturierter Fragebögen den Pflegebedarf. Beide Systeme ordnen den Bedarf einer Pflegestufe zu (BESA 0–12, RAI 1–12), die wiederum den KVG-Tarif pro Tag bestimmt.
Pflegestufen und KVG-Tarife im Heim
Diese Beträge sind das, was die Krankenkasse pro Tag bezahlt. Die kantonale Restfinanzierung deckt zusätzliche Pflegekosten, die nicht über KVG abgerechnet werden.
BESA · Bewohner-Einstufungs- und Abrechnungs-System
BESA wurde von Curaviva (Schweizer Heimverband) entwickelt und ist in der Deutschschweiz am verbreitetsten. Es erfasst:
- Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) · An- und Auskleiden, Essen, Mobilität
- Behandlungspflege · Wundversorgung, Medikation
- Psychosoziale und kognitive Bedürfnisse
- Umgang mit Demenz und Verhaltensauffälligkeiten
RAI · Resident Assessment Instrument
RAI wurde in den USA entwickelt und ist international standardisiert. Es erfasst rund 300 Items in 18 Kategorien · sehr detailliert, ermöglicht aber bessere Quervergleiche und Qualitätskontrolle. In der Spitex (Schweizer Variante via Q-Sys) wird das System leicht reduziert eingesetzt.
Spitex-Einstufung pflegender Angehöriger zuhause
Beide Systeme messen die gleiche Sache · den objektiven Pflegebedarf in Minuten pro Tag. Die Einstufung bestimmt direkt, wieviele Pflegeminuten die Krankenkasse anerkennt und damit wie hoch dein Stundenlohn als pflegende Angehörige effektiv ist.
Wenn die BESA-Einstufung 80 Minuten Pflege pro Tag ergibt, sind das genau die 80 Minuten, die die Krankenkasse vergütet. Pflegst du praktisch zwei Stunden, sind nur 80 Minuten kassenwirksam · die zusätzlichen 40 Minuten sind privat (oder Hauswirtschaft, oder soziale Begleitung, je nach Charakter).
Wenn die Einstufung zu tief erscheint
Es kommt vor, dass eine Erstabklärung den Pflegebedarf unterschätzt · weil die pflegebedürftige Person an guten Tagen mehr selbst kann als im Alltagsdurchschnitt, oder weil bestimmte Aufgaben unsichtbar bleiben (nächtliche Toilettengänge, Essensanreichung, Demenz-Begleitung).
- Bitte um eine Neubeurteilung mit einem ausführlicheren Hausbesuch.
- Führe ein Pflegetagebuch über 7 bis 14 Tage und dokumentiere alle tatsächlich erbrachten Pflegehandlungen.
- Lass dich von Pro Senectute oder einem unabhängigen Pflege-Berater begleiten.
- Bei Uneinigkeit Einsprache erheben (binnen 30 Tagen nach Mitteilung).
Welches System bei welchem Heim oder Anbieter?
Jedes Heim verwendet entweder BESA oder RAI · die Wahl liegt beim Heim und ist mit dem Kanton abgestimmt. Spitex-Anbieter, die pflegende Angehörige anstellen (Pflegewegweiser, Caritas, Solicare), nutzen überwiegend BESA in der Deutschschweiz. Manche Anbieter bringen erfahrene BESA-Schulungsleiter mit · was eine realitätsnähere Einstufung wahrscheinlicher macht. Für dich als Klient/in macht es praktisch keinen Unterschied: beide Systeme erreichen ähnliche Stufen-Bewertungen.
Was die Pflegestufe nicht festlegt
- Hilflosenentschädigung-Stufe: AHV/IV haben ein eigenes System mit drei Stufen (leicht, mittel, schwer). Korreliert mit BESA/RAI, ist aber unabhängig. Mehr.
- Heim-Eintritt-Bedingungen: Pflegeheime haben oft eigene Aufnahmekriterien zusätzlich zur BESA/RAI-Einstufung.
- Steuerliche Abzüge: für Krankheits- und Behinderungskosten gilt ein eigener Pauschalrahmen. Mehr.
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Häufige Fragen
- Wer zahlt das Pflegeheim?
- Pflegeheim-Kosten verteilen sich auf drei Saeulen: Bewohnerbeitrag (Pension, Hotellerie, Betreuung) traegt der Bewohner aus AHV plus Vermögen, Pflegekosten zahlt die Krankenkasse nach KVG-Tarif (BESA oder RAI Pflegestufe), die Differenz uebernimmt der Wohnsitzkanton oder die Wohnsitzgemeinde als Restfinanzierung. Bei knappen Mitteln greifen Ergänzungsleistungen.
- Was kostet Pflegeheim pro Monat?
- Bewohnerbeitrag (ohne Pflege) typisch CHF 4'500 bis 9'000 pro Monat je Region und Standard. Pflege-Selbstbehalt zusaetzlich maximal CHF 23.00 pro Tag (rund CHF 700/Monat). Abweichungen nach oben in Premium-Einrichtungen, nach unten in subventionierten Kanton-Heimen.
- Was ist der Unterschied BESA vs RAI?
- BESA und RAI sind beide vom Bund anerkannte Pflegestufen-Instrumente, die den Pflegebedarf in 12 Stufen einteilen. BESA wird ueberwiegend in der Deutschschweiz verwendet, RAI in Westschweiz und Tessin. Die Tarif-Wirkung ist gleich - es sind nur unterschiedliche Bemessungssysteme.
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Anbieter-Quiz startenJede Tarif- und Lohn-Aussage in diesem Artikel wurde am Datum unten gegen die genannte Originalquelle verifiziert. Wir prüfen quartalsweise nach.
- 01Curaviva, BESA Pflegebedarfsabklärung. www.curaviva.ch, abgerufen am 17. Mai 2026.
- 02Q-Sys AG, RAI-System. www.qsys.ch, abgerufen am 17. Mai 2026.
- 03Bundesamt für Gesundheit BAG, Pflegestufen-Einstufung. www.bag.admin.ch, abgerufen am 17. Mai 2026.
- 04Spitex Schweiz. www.spitex.ch, abgerufen am 17. Mai 2026.
Dieser Artikel ist redaktioneller Inhalt und keine Rechts oder Steuerberatung. Bei verbindlichen Fragen wende dich an deine Anstellungsfirma, deine Pro-Senectute-Beratungsstelle oder einen Fachanwalt.
